ERIK PENNY - AN EINEM SAMSTAG ABEND IN BERLIN

Diesmal haben wir unser Fundstück entdeckt, als wir ganz gemütlich an einem Samstag, auf dem Weg zum Abendessen, die Yorkstraße entlang gingen. Plötzlich hörten wir Musik aus einem kleinen Fotostudio. Geradezu gefesselt sind wir lauschend stehen geblieben und wurden freundlich hereingebeten. Was wir hörten war die betörende Musik von ERIK PENNY. Seine emotionale Musik erzählt Geschichten, die zum Träumen einladen und er strahlt dabei einfach pure Lebenslust aus. Als wir nach dem Konzert mit ihm ins Gespräch kamen, stellte sich heraus, dass es sich dabei um ein Probekonzert, für sein neues Album HEART BLEED OUT, handelte und wir in Zukunft noch viel mehr von ERIK PENNY hören werden. Und weil wir so begeistert waren haben wir ihn noch viel mehr gefragt. 


Erik, du stammst aus den USA. Wie lange lebst du schon in Berlin und was hat dich hierher verschlagen? Ist nicht eigentlich die USA das Land der unbegrenzten Möglichkeiten?

Ich bin 2008 aus einer Vielzahl an Gründen nach Berlin gekommen. Aus Liebe, denn meine Frau ist Deutsche, und wir haben beschlossen, dass der beste nächste Schritt für uns sei nach Berlin zu ziehen. Die Kultur, die Berlin zu bieten hat, war auch einer der Gründe, immerhin gibt es hier einige hundert Jahre mehr Geschichte, als die USA zu bieten haben, und solch eine Gelegenheit kann man einfach nicht ausschlagen. Politische und soziale Stabilität haben bei unserer Entscheidung ebenfalls eine Rolle gespielt. Man sagt zwar die USA sei das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, jedoch gilt dies hauptsächlich für Menschen mit unbegrenzten finanziellen Mitteln. Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass die Dinge in Deutschland etwas ausgeglichener sind und dass hier auch der ‚kleine Mann‘ eine realistische Chance hat, sein Potential voll auszuschöpfen.

Was hast du bisher in deinem Leben gemacht? Du hast einige Orte erwähnt, in denen du schon gelebt hast. Wie haben dich diese Orte beeinflusst? Zieht es dich heute noch in die Ferne, oder würdest du sagen du bist angekommen?

Ich habe jede Menge gemacht. Ich bin in El Paso aufgewachsen, aber während meiner Kindheit war ich auch oft im Norden von New York, denn dort bin ich geboren und der größte Teil meiner Familie lebte dort. Ich habe Malerei studiert in Texas. Viele Jahre habe ich als Kellner und Barmann in El Paso und Los Angeles gearbeitet. Seit ich 16 Jahre alt war, habe ich Musik gespielt, zuerst in Bands bis ich 2004 als Erik Penny solo ging. Mit Sicherheit haben mich all die Orte, an denen ich gelebt habe, auf irgendeine Art beeinflusst. Mein musikalischer Stil ist sehr „Americana“. In drei verschiedenen Ecken der USA gelebt zu haben, hat mir ein gutes Verständnis dafür gegeben was die USA und ihre Musik bedeuten. In Deutschland habe ich jedoch ein freundliches Zuhause gefunden und ich habe vor zu bleiben… vielleicht für immer.


Ist es anders in Berlin, oder auch in Deutschland im Allgemeinen, Musik zu machen, verglichen mit den USA? Sind die Ansprüche des Publikums anders?


Ja, es ist ganz anders in Deutschland zu spielen als in den USA. Ich glaube im Allgemeinen sind die Clubs offener, entgegenkommender und bieten mehr Unterstützung an als es in Amerika der Fall ist. Auftritte in Los Angeles mit Auftritten irgendwo anders in der Welt zu vergleichen ist jedoch nicht fair, denn dort ist das Musikgeschäft besonders hart und die Konkurrenz unerbittlich. Als ich nach Berlin kam und hier spielte, war es beinahe so als würde ein Traum wahr. Man wird als Künstler immer gut behandelt und manchmal sogar sehr gut. Wie überall, ist es auch in Berlin schwierig mit Musik Geld zu verdienen. Überall in Deutschland bin ich bisher auf ein sehr freundliches und offenes Publikum gestoßen. Zudem ist man hier auch sehr höflich und aufmerksam, während ich auf der Bühne meine Musik spiele. Das ist nicht immer der Fall gewesen, als ich noch in L.A. war.

Du hast bisher schon mit Persönlichkeiten wie Milow und Ronan Keating auf der Bühne gestanden und hast auch schon einige CD’s veröffentlicht, doch in den letzten paar Jahren bist du von der Bühne verschwunden. Hast du dir eine kreative Auszeit genommen?

Nein, es war keine kreative Pause, eher eine “Papa Pause”, denn vor zweieinhalb Jahren kam meine Tochter zur Welt. Während der letzten Jahre gab es schwierige Zeiten in meiner Familie, auf die ich mich konzentrieren musste. Jedoch habe ich während dieser Zeit ständig geschrieben und an neuen Songs gearbeitet. Insgesamt sind 60 neue Songs entstanden, von denen es 13 auf mein neues Album „Heart Bleed Out“ geschafft haben. Die Restlichen hebe ich mir für zukünftige Alben auf.

Nicht ganz neu, aber finde es einfach Klasse!

Woher kommt deine Inspiration?

Meine Inspiration kommt vorwiegend von meinen persönlichen Erfahrungen, erst recht während ich älter werde. Die Songs auf dem neuen Album sind bei weitem die persönlichsten, die ich jemals geschrieben habe. Musikalisch inspiriert mich heutzutage sehr gute, solide, klassische Musik jeden Genres. Damit meine ich Musik, die gut gespielt ist und intensiv und ehrlich performed wird.

Ist es als Künstler eine besondere Herausforderung Familie, die Leidenschaft für Musik, und auch die Arbeit an der Musik unter einen Hut zu bringen?

Ja, es ist manchmal schwierig für alles Zeit zu finden. Auch der Erfolgsdruck, der umso mehr auf einem lastet, wenn man eine Familie hat, ist nicht zu unterschätzen. Ich lerne es alles „unter einen Hut zu bringen“, wie man hier sagt, und ich hoffe ich schaffe diesen Balanceakt, ohne, dass ein Teil meines Lebens darunter leiden muss.

Man kann sagen, dass du noch ein frisch gebackener Vater bist, deine Tochter ist zwei Jahre alt. Hat sich die Art Musik die du machst seitdem verändert? Denkst du anders über deine Inhalte nach und was du ausdrücken möchtest?

Ja, ich habe mich definitiv verändert, seit ich Vater bin und auch meine Musik hat sich verändert. Zum einen schreibe ich meine Lieder nun in den Nachtstunden, wenn meine Tochter schläft. Zum anderen spiele ich dabei viel mehr Gitarre, was das Gefühl für einen Song grundlegend ändert. Außerdem denke ich viel mehr über die Dinge nach, seitdem ich Vater bin, Dinge denen ich vorher nicht so viel Beachtung geschenkt habe. Als Vater versuche ich besonders aktiv ein besserer Mensch zu sein, was schwierig sein kann.

Was macht Berlin für dich zu etwas ganz Besonderem?


Na Mensch, Berlin hat einfach alles! Es hat alles was eine Großstadt nur bieten kann und noch mehr, wie die vielen Parkanlagen und seine besondere Geschichte. Es gibt hier so viele interessante Menschen, großartige Clubs und Restaurants, und, und, und, …

Oldie, but goldie!

Womit startest du jetzt neu durch? Was sind deine neuesten Projekte und wo kann man dich in nächster Zeit spielen hören?

Die Sofa Sessions waren ein Projekt das ich lange verfolgt habe, aber aus den eben genannten Gründen auf Eis gelegt habe. Ich habe auch nicht vor, sie in naher Zukunft wieder regelmäßig aufzunehmen. Das Konzert, bei dem ihr zufällig vorbeigekommen seid, war eigentlich so eine Art Probekonzert, um das neue Album mit meinen Freunden live zu spielen. Die nächste Aufgabe ist es ein anständiges Label zu finden, um mein Album rauszubringen und dann natürlich auf Tour zu gehen, um es zu promoten. Das Album ist gerade erst fertig und ich wünsche mir sehr, dass es ein gutes Zuhause bekommt. Bis dahin trete ich bei kleineren Shows in Berlin auf. Am 6. September werde ich im Kaffee Burger sein, zusammen mit dem Duo TAKE BERLIN und am 16. Oktober werde ich im Schokoladen auftreten.

Was ist deine Botschaft an Berlin oder die Welt?

Ich würde nicht so weit gehen und sagen, dass ich eine Botschaft habe. Ich glaube, wenn irgendjemand Bedeutung in meiner Musik finden kann, mit der er oder sie sich persönlich oder emotional identifiziert, dann war ich schon erfolgreich darin eine Botschaft zu kommunizieren. Diese Message ist jedoch für jeden Hörer eine andere.

(Erik steht auf und sagt: "Thank you very much for interviewing me", geht zum Kühlschrank und holt sich ein Bier.)

ERIK PENNY ist ein sehr bodenständiger Künstler und gerade das macht ihn so sympathisch. Wir hoffen sehr, dass er die ganze Liebe, die er Berlin entgegenbringt, zurückbekommen wird, sowie viele neue Fans und ein Label für sein neues Album HEART BLEED OUT finden wird. Uns hatte er schon beim "Hallo!".


Hier könnt ihr alte und neue Songs von Erik Penny hören.


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