LOKALRUNDE - DIE SHOW MIT WELTNIVEAU

Neulich bei einem Bierchen, mit Freunden in der Brotfabrik, sind wir an unserem Tisch mit Ivo ins Gespräch gekommen und haben dabei jede Menge über eine Berliner Show erfahren, die uns bisher noch unbekannt war. Nach unserer sehr ausführlichen Unterhaltung, dachten wir: das muss weiter erzählt werden. Der Berliner Entertainer Ivo Lotion pflegt seit Jahren sein „Baby“, eine Unterhaltungsshow, die im Berliner Nachtleben Kultstatus hat. Die Geschichte der LOKALRUNDE, so der Name der Show, kennt funkelnde Höhen und bizarre Tiefen. Wir beleuchten für euch die Hintergründe.

Um das Jahr 2000 begann Ivo Smolak, zusammen mit dem Gitarristen Sascha Kroß, als Duo auf der Berliner Lesebühne „LSD - Liebe statt Drogen“ aufzutreten. Die beiden präsentierten dort regelmäßig Songs mit deutschen Texten, die sie in ihrer gemeinsamen WG, in der Kleinen Auguststrasse bei „Joints“ (Kroß) und „Whisky“ (Smolak) entwarfen. Zufällig besuchte der Chef des legendären Berliner Nachtclubs „Kurvenstar“ eines Abends die Lesebühne und fragte die beiden, ob sie nicht auch in seinem Club eine Show mit ähnlichem Humor veranstalten könnten. Smolak erinnert sich: „Wir sagten: 'Ja, wir könnten es mal probieren'. Wir hatten allerdings nicht damit gerechnet, dass Stephan, der Chef, schon so etwas wie ein Konzept für diese Show hatte. Er verpflichtete mich als Moderator und verpasste mir einen Künstlernamen, Ivo Lotion, mit dem ich nicht hundertprozentig glücklich war. Zudem nannte er die Show LOKALRUNDE, schickte Infos an die Presse und erklärte uns, dass er das Format ins TV bringen will, er kenne da einen Menschen bei MTV. Aus diesem Grund müsste ich mir dringend schräge 70er-Jahre-Anzüge besorgen, denn ein Moderator im Lesebühnenoutfit ginge gar nicht. Und Sascha sollte dringend eine Band auf die Beine stellen, die Show bräuchte Romunkenfunk. Wir machten alles mit, wir waren arm aber sexy und rochen das große Geld.“

Die Show wurde als regelmäßige Live-Veranstaltung im Kurvenstar ein großer Erfolg. Das Publikum goutierte den wilden Sound der von Sascha ins Leben gerufenen Showband MARIACHIS sowie die regelmäßigen Ausraster von Ivo Lotion, wenn irgendetwas schief ging. Smolak aka Lotion dazu: „Mein Gott, das waren Zeiten! Ich lief jeden Freitagabend im Dieter-Thomas-Heck-Look-a-Like-Kostüm von der Kleinen Auguststrasse durch die Große Hamburger zum Hackeschen Markt und sagte mir: 'Als cooler Moderator ist mir nichts peinlich!' Auf der Bühne waren mir manche Situationen aber doch peinlich und ich rannte wütend aufs Klo, wenn die MARIACHIS einen Song verhunzten oder irgendwelche Poetry-Slam-Hansels, die dringend mal bei uns auftreten wollten, einen langweiligen Text performten. Aber gerade meine regelmäßigen Heularien, als Moderator auf dem WC honorierten, die Besucher begeistert.“ 
MTV drehte einen Piloten, der es zwar nicht ins Programm schaffte, weil MTV schon damals Probleme hatte, von dem wir hier aber erstmals einen Ausschnitt veröffentlichen:


Wenig später wurde die LOKALRUNDE vom Chef ins Café Moskau transferiert und feierte dort einen glamourösen Aufstieg zum Treffpunkt der Stars und Sternchen. Vom Popliteraten Joachim Lottmann in seinem Roman „Die Jugend von heute“ verewigt, begrüßten IVO LOTION & DIE MARIACHIS im Café Moskau Prominente wie Daniel Brühl, Alice Schwarzer, die Blue Man Group und Tom Hanks. Lotion: „Ich habe die Promis nie erkannt. Sascha sagte immer: 'Guck mal, wer da ist!' Und ich fragte dann: ' Whitest Boy Alive? Wer ist Whitest Boy Alive?'“ Unabhängig von Lotions Prominentensehschwäche entdeckte der WDR das Format und engagierte IVO LOTION & DIE MARIACHIS als Showband für die Sendung „WDR Poetry Slam“. Lotion: „Rückblickend war das der Anfang vom Ende des Höhenflugs. Bei jeder neuen Staffel der Sendung verlangten wir mehr Gage und ein besseres Hotel in Köln als das vorherige. So kam es, dass die Mitglieder unserer achtköpfigen Band bei der letzten Aufzeichnung mehr als Jörg Thadeusz verdienten und die Show wegen zu hoher Produktionskosten eingestellt wurden. Wir waren dumme Ossis.“


Nach der ersten Ausstrahlung der Sendung „WDR Poetry Slam“ wurde die Show LOKALRUNDE  vom Admiralspalast eingekauft. Ivo: „Mir war ein wenig mulmig zumute. Admiralspalast – das hieß für mich große Geschichte in der Berliner Unterhaltungskultur aber auch schwieriges Neuland. Wir traten nun nicht in einem Club auf, sondern in einer Ticketvorverkaufshalle für Touristen. Ich war mir nicht sicher, ob das funktionieren würde.“ Es funktionierte teilweise – die LOKALRUNDE kam unter dem Namen „Sat.1 Comedy – Slam Palast“ ins Privatfernsehen, verlor als Bühnenshow jedoch Zuschauer. Sascha Kroß: „Wir machten einen Haufen Cash bei der Aufzeichnung für Sat.1 Comedy, bemerkten aber gleichzeitig, dass in unserer regelmäßigen Bühnenshow die Luft raus war. Im Admiralspalast fehlte das Flair, das Stammpublikum, die Kneipe.“ Ivo L.: „Hinzu kam, dass deutlich wurde, dass der Admiralspalast kein Geld hatte. Es wurde immer schwieriger, sie bezahlten die Gagen nicht aus, wir mussten die Gastkünstler finanziell vertrösten, es wurde peinlich.“ Nachdem der Admiralspalast pleite ging, beschlossen Lotion und Kroß, die Show auf Eis zu legen. „Wir sagten nicht, wir hören auf. Wir sagten, wir machen Pause.“ Die Pause dauerte zwei Jahre, in denen Ivo Lotion als Videoproduzent arbeitete und Kroß, als einer der beliebtesten Gitarrenlehrer der Musikschule Tomatenklang, im Prenzlauer Berg reüssierte.

Der Anstoß zur Wiederbelebung der LOKALRUNDE kam von außen. Ivo Lotion: „Die Betreiber des Fire Clubs, einer kleinen gemütlichen Lokalität in der Zionskirchstrasse, fragten mehrmals nach, ob wir nicht bei ihnen die LOKALRUNDE wieder veranstalten würden.“ Kroß: „Ich war skeptisch. Das alte Zirkuspferd wieder in die Manege führen?“ Doch es funktionierte – Anfang 2011 präsentierten IVO LOTION & DIE MARIACHIS wieder regelmäßig im Fire Club und besannen sich auf ihre Wurzeln. Gemütliche Club-Atmosphäre, nah am Publikum, Großstadthumor und Schnaps für alle. Der kleine Fire-Club platzte bald aus allen Nähten, 2012 zog die Lokalrunde ins etwas größere Kaffee Burger um. Überdies strahlt der Berliner Sender ALEX TV Aufzeichnungen der Show nahezu täglich aus. Lotion: „Bei den Aufzeichnungen für ALEX TV konnte ich meine Vision einer fernsehgerechten Poetry-Musik-Lesebühnenshow verwirklichen. Die Kameras halten sich zurück, stören das Flair nicht sondern fangen es ein, der TV-Zuschauer erlebt die Show vor dem Gerät mit. Ich hätte nicht gedacht, dass das so gut funktioniert und so viele Leute den Sender schauen. Im Supermarkt sprechen mich Menschen an, die mich auf ALEX TV gesehen haben. Eigentlich müsste ich mal ein Sendekonzept schreiben, um das Format einem größeren Sender anzubieten, aber Sendekonzepte schreiben, strengt mich unglaublich an, wir wollen nichts überstürzen. Außerdem schreibe ich gerade noch an meinem Buch 'Goldrausch, Kunst und Immobilien', in dem ich bizarre Erlebnisse auf dem Berliner Immobilienmarkt verarbeite. Wenn das fertig ist, wird’s vielleicht auch was mit dem Konzept.“ 

Uns hat Ivo mit seiner Geschichte überzeugt und wir sind gespannt auf die nächste Show, die nach einer Sommerpause erstmalig am 23.08.13 und dann wieder jeden vierten Freitag im Monat im Kaffee Burger stattfindet. Zum Abschluss das Showreel von Ivo Lotion, in dem verschiedene Stationen der Lokalrunde zu sehen sind. 

Mehr Infos zur Show: www.lokalrunde.org


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1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Ivos Show kenne ich durch die gesamte Historie. Er ist ein super Mensch, ich wünsche ihm heute wieder so viel Erfolg wie damals. Weswegen ich heute nicht mehr so oft dabei bin, ist das andere Publikum. Aber dafür kann er nichts. Es sind eben mehr stressige Touristen und Zugereiste, aber weniger grundentspannte und abgeklärte nette Berliner. Leider ein gesamtberliner Phänomen.