ROGER STEIN - LIEDER OHNE MICH

Diesmal sitzen wir in einem Biergarten im Volkspark Friedrichshain und mit uns am Tisch sitzt ROGER STEIN. Er kommt aus der Schweiz und spricht daher seinen Namen französisch aus. Das passt auch ganz gut zu den Chansons, welche er schreibt und singt.  Das allerdings in deutscher Sprache. Obwohl er aus einem so weit entfernten Land wie der Schweiz stammt, redet er wie ein richtiges Berliner Kind. Mit uns spricht er über sein neues Album LIEDER OHNE MICH, Spätzle in Berlin, seinen Kiez und Berlin als Inspiration.




Wie ein waschechter Berliner kommt Roger mit dem Fahrrad in den Volkspark. Seinen kleinen Hund hat er auch mitgebracht. Wir bestellen ein paar Bier und lernen uns so ein wenig kennen. Schweizer ist er, aber er spricht über Berlin so kundig, liebevoll und voller Begeisterung, dass man dies kaum merkt. Die meisten kennen Roger Stein, durch sein Projekt WORTFRONT, für das er mit seiner Lebensgefährtin Sandra Kreisler schon auf vielen Bühnen deutschlandweit gestanden hat. Nun bringt er jedoch sein Solo-Album raus, unter dem Titel LIEDER OHNE MICH. Roger beschreibt sich selbst als Singer/Songwriter, Pianist, Erzähler und Poet – ein echter Allrounder.
Wirklich zuhause ist Roger Stein zwischen Wien, Zürich und Berlin. In allen 3 Städten fühlt er sich daheim und er erzählt uns über Gemeinsamkeiten und Unterschiede der drei Städte. Er sagt, in Berlin sind die Leute unfreundlich, aber meinen es nicht so. In Wien sind die Leute freundlich, meinen es aber auch nicht so. Die Rauheit und die Zurückhaltung der Berliner erinnern ihn wiederum sehr an Zürich. Roger sieht aber auch viele Überschneidungen in der Kunst. Besonders die Kleinkunst ist ihm wichtig, denn sie bietet Chancen zur künstlerischen Entfaltung und Entwicklung.  Die Grundlage seines künstlerischen Schaffens sind seine Gedichte, die er regelmäßig in einem winzigen Literaturmagazin veröffentlicht, um so die Wirkung seiner Texte zu testen. Der Mittelpunkt, um den er kreist sei jedoch das Klavier. 


Seit 2004 lebt Roger, mit seiner Lebensgefährtin Sandra Kreisler (zusammen sind sie WORTFRONT) in Berlin-Kreuzberg. Er sagt, dass er die ersten zwei Jahre an einem Kulturschock litt. Das war jedoch genau was er wollte als er sich entschied nach Berlin zu ziehen – Kontrastprogramm. Kontrast, das ist auch seine Musik. Er macht Musik zwischen Panik und Poesie. In seinen Songs ist er gesellschaftskritisch, bleibt dabei jedoch unverkrampft. Roger erhebt nicht den Zeigefinger, sondern bleibt immer humorvoll. Was er macht ist für viele irgendwie neu und einzigartig. Das ist erfrischend, aber manchmal auch ein Problem, sagt Roger. Die Industrie denkt nun mal in Schubladen und seine Musik lässt sich schwer  einordnen und in irgendeine Schublade stecken. Wir finden das gut, wenn sich einer nicht verbiegen lässt und sich und seiner künstlerischen Vision treu bleibt.

In Berlin geht Roger gern nach Adlershof, auf das erste deutsche Flugfeld. Da wo andere Tristheit sehen, findet er Inspiration. Er mag die Einsamkeit und glaubt, dass genau diese gepaart mit Langeweile besonders wichtig sind für kreative Prozesse. Die Kunst an sich sieht er als eine Weiterentwicklung und eine Art Evolution, die einer ständig neuen Erfindung bedarf. Das ist genau das was Roger Stein mit seiner Musik macht. Er erhält die Kunst am Leben. In seine Liedtexte verpackt er klare Aussagen und erzählt Geschichten, die ihm am Herzen liegen. Zudem bleibt er immer authentisch.
Wie sieht man seine alte Liebe heute, beim ersten Klassentreffen? Oder was passiert mit Familienvater Albert, welcher sich plötzlich in einen Mann verliebt?
Roger hat einmal eine Zeit lang Fernsehmusik gemacht, das aber schnell wieder verworfen, da es mehr Job als Leidenschaft war und man sich zu vielen Vorgaben beugen musste.

Der Weg einer Karriere in der Kleinkunst mag steinig sein, aber lohnenswert, wenn man sich nicht verbiegen lässt und sich selbst treu bleibt. So sehr wie er Künstler ist, ist er seit den Jahren seiner Ankunft in der Mutterstadt auch irgendwie ein  Berliner geworden, was man besonders merkt wenn er seinen Kiez und dessen Bühnen gegen Spätzle und Lärmbeschwerden verteidigt.  Wir sind froh, Roger kennengelernt zu haben und wünschen ihm für sein neues Solo-Album, welches vom nagelneuen Konstantin Wecker -Label „Sturm und Klang“ veröffentlicht  wird, viel Erfolg. LIEDER OHNE MICH ist ein Album mit Liedern, so ausgeklügelt wie ein Schweizer Uhrwerk, voller Poesie und Texten, die zum Nachdenken, Mitdenken, und Träumen einladen.

Stay tuned für mehr von und über ROGER STEIN!
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